22/04/2020

Steht der DAX viel zu hoch? (Teil 1)

Das Problem des DAX ist gar nicht mal so sehr die Krankheitsepidemie. Die wird irgendwann vorbeigehen. Die Schwierigkeiten des DAX liegen darin, dass er vor dem Coronaausbruch bereits viel zu teuer war.


Laut Bloomberg haben die 30 großen deutschen Unternehmen umgerechnet auf einen DAX im Jahr 2019 539 Euro verdient (Trailing 12 Month Earnings). Vor der Krise wurden sie also mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25,6 gehandelt. Damit waren sie zu dem Zeitpunkt bereits teurer als im Jahr 2000, gemessen an ihren Unternehmensgewinnen. Mit diesen Gewinnen wirkt selbst ein Kurs von 10.800, wie kürzlich, zu hoch bewertet. Ein sich daraus ergebendes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 wurde in Deutschland auch selten erreicht. Nehmen wir an, dass die sich aus den Distanzierungsmaßnahmen ergebende Wirtschaftsschwäche die Unternehmensergebnisse in diesem Jahr 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr absacken lassen wird. Goldmann rechnet mit diesem Rückgang für die USA. Der sich dann ergebende Unternehmensgewinn pro DAX von 378 Euro würde sich mit den schon erwähnten 10.800 Punkten der Erholungsbewegung ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28,6 ergeben.



Die 539 Euro des Jahres 2019 lagen übrigens unter den 556 Euro, die die DAX-Firmen im Jahr 2010 verdient haben. Warum konnten die deutschen Unternehmen in neun Jahren ihre Gewinne nicht steigern? Es liegt an dem gegen null tendierenden Produktivitätszuwachs. Generell kann man sagen: steigt die Produktivität schneller als die Reallohnzuwächse, klettern die Unternehmensgewinne, legen die Reallöhne dagegen schneller zu als die Produktivität, wachsen die Unternehmensgewinne nicht.

Kaum Produktivitätszuwächse

In den letzten zehn Jahren hat die Produktivität zusammengenommen um 1,9 Prozent zugenommen. Die Reallöhne wurden dagegen um zwölf Prozent erhöht. Das war natürlich super für die Beschäftigten der Unternehmen. Doch diese schönen Reallohnanstiege wurden von den Unternehmen gar nicht durch Produktivitätszuwächse erwirtschaftet. Das Problem ist also weniger, dass die Unternehmensgewinne in diesem Jahr fallen werden, sondern warum sie in den letzten neun Jahren nicht gestiegen sind. Warum ist der Produktivitätsfortschritt zum Erliegen gekommen ist.

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