16/06/2020

Kolumne: Der wahre Grund des Kursrutsches in der letzten Woche

Sicher, der Optimismus war zu groß. Das Put-Call-Verhältnis, also der Anteil der Verkaufsoptionen an den gehandelten Optionen, war zuletzt so niedrig wie fast noch nie. Die Anleger hielten es also nicht mehr für nötig bestehende Positionen durch Verkaufsoptionen abzusichern oder direkt mit Ihnen auf fallende Kurse zu spekulieren. Die Zahl der gehandelten Kaufoptionen erreichte sogar einen Rekordstand. So viel Optimismus war noch nie.


Eine freudige Euphorie macht anfällig für Rückschläge. Das erklärt den Sturz aber nicht ganz. Der wahre Auslöser, dass es gerade in dieser Woche runter ging, folgte aus den neuesten Wettquoten für den Ausgang der amerikanischen Wahlen.


Laut der gehandelten Wettkontrakte stehen mittlerweile die Chancen 60 zu 45, dass die Demokraten nach der nächsten Wahl den Senat kontrollieren werden. Auf den ersten Blick würde man ja denken: Was soll daran schlecht sein, dass Trump und die Republikaner die nächste Wahl verlieren könnten? Doch schauen wir uns dazu einmal die Unternehmensgewinne in den USA an.


Unternehmensgewinne S&P 500

Quelle: Bloomberg

Gewinnsteigerungen nur durch die Steuerreform

Von 2012 bis 2016 stiegen die US-Unternehmensgewinne im Mittel drei Prozent pro Jahr. Dann folgte plötzlich ein dramatischer Anstieg von 33 Prozent in zwei Jahren. Was war geschehen? Trumps Steuerreform! Nach seiner Wahl hat Donald Trump den Satz für Unternehmenssteuern von 39 Prozent auf 26 Prozent gesenkt. Ein Geschenk für die Unternehmen in Höhe von Billionen. Da ein Prozent der Amerikaner 50 Prozent aller Aktien besitzen, hat Trump damit seinen Milliardärskollegen die Taschen gefüllt. Diese Steuersenkung wurde aber nicht gegenfinanziert, sondern auf Pump beschlossen. Zahlen für dieses Füllhorn, das über die reichsten der Reichen ausgeschüttet wurde, werden irgendwann die Steuerzahler.

Nach dem Jahr 2018 stiegen die Unternehmensgewinne dann wieder mit drei Prozent, wie vor der Steuerreform. Die Steuerreform von Trump erklärt also, warum die US-Aktien in den letzten Jahren vor dem Corona-Ausbruch so einen fulminanten Anstieg hingelegt haben. Nun hat Joe Biden aber bereits angekündigt, dass er im Falle seiner Wahl die Steuerreform sofort rückgängig machen werde.

US-Aktien teurer als 2000

Da kann man sich leicht ausrechnen, was von den Unternehmensgewinnen übrig bleibt, wenn man die Steuerreform herausrechnet. Dann wären die US-Aktien auf dem aktuellen Niveau gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis mittlerweile so teuer wie noch nie zuvor, teurer als im Jahr 2000. Verständlich, dass die Börse Joe Biden deshalb fürchtet. Der immer wahrscheinlicher werdende Wahlsieg der Demokraten im November könnte die Aktienkurse für den Rest des Jahres deutlich belasten.

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